NEU: Fotomemo - Jetzt bestellen!

Wiederholt Testsieger! ifolor Fotos überzeugen. Alle Qualitätssiegel im Überblick.

Gastbeitrag

Haus- und Hoftiere inszenieren

Haus- und Hoftiere inszenieren

Tiere gehören zu den Familienmitgliedern. Sie haben einen eigenen Charakter, und man kann ihnen das Posieren kaum befehlen. Hier bekommst du viele Tipps, wie du deine Lieblinge auf lebendige Art festhalten kannst.

Vorbereitung

Haustiere bieten gegenüber den Wildtieren den Vorteil, dass du nahe herankommst. Du kannst ohne besondere Ausrüstung arbeiten, deine Kamera mit einem Standardobjektiv genügt vollkommen. Frage dich, ob du das Tier draußen oder drinnen fotografieren wirst. Je nachdem hast du ganz andere Lichtverhältnisse – in der Wohnstube herrscht eine andere Lichtstimmung als draußen. Ich bevorzuge Tageslicht und verzichte (wenn immer möglich) auf künstliche Lichtquellen, seien es Blitzlicht oder eine Zimmerbeleuchtung. Direktes Sonnenlicht ist wegen des harten Schattens meistens nicht vorteilhaft. Diffuses Licht bietet eine gleichmäßigere Beleuchtung. Wenn das Licht seitlich durchs Fenster dringt oder draußen bei bewölktem Himmel bekommst du dieses Licht. Sonnenlicht ist dann im Vorteil, wenn Schweiß, ein nasses Fell, Wassertropfen beim Schütteln abgelichtet werden, Lichtreflexe und Glanz entstehen nur im Sonnenlicht.

Nicht alle Tiere entwickeln die gleiche Scheu vor Fremden. Wenn du dir etwas Zeit nimmst, dich mit dem Tier anzufreunden, hast du Vorteile. Leckerlis wirken Wunder.

Die Inszenierung und deine Kamera

Domestizierte Tiere wie Kühe, Pferde, Hasen, Federvieh oder teilweise auch Katzen werden sich beim Shooting nicht immer ruhig verhalten und in der richtigen Position verharren. Als Fotograf*in kannst du nur teilweise Einfluss auf das Posing oder die Bewegung eines Tieres nehmen. Du musst dich und deine Kamera also auf Bewegung einstellen. Wenn du mit 1/1000 Sekunde fotografierst, solltest du auch kleine Bewegungen scharf abbilden können. Falls die Lichtverhältnisse eher knapp sind, erhöhe ich den ISO-Wert, bis die gewünschte Blende und die Verschlusszeit eingestellt werden können. Die Blendenöffnung steuert das Bokeh (Unschärfe) im Hintergrund. Ob du nur gerade die Augen und die Schurrhaare deiner Katze scharf haben willst oder das ganze Tier, bestimmst du mit der Blendenwahl. Bei offener Blende (z.B. f2.8) ist die Schärfentiefe bei einem Katzenporträt nur wenige Zentimeter groß. Bei geschlossener Blende (z.B. f18) wird die ganze Katze scharf abgebildet. Die Kameraeinstellungen Verschlusszeit, Blende und ISO-Wert beeinflussen zusammen mit den Lichtverhältnissen das Resultat ganz erheblich. Ich empfehle deshalb, nicht mit der Programmautomatik, sondern mit der Blenden- oder mit der Zeitvorwahl oder sogar ganz im manuellen Modus zu arbeiten. Wenn sich das Motiv während der Aufnahme bewegt, stelle ich die Belichtungszeit fix ein, wenn es ruhig ist, wähle ich die Blende vor. Ein Stativ ist beim schnellen Arbeiten eher hinderlich, arbeite darum lieber ohne.

Den Autofokus deiner Kamera stellst du aufs kleinste Messfeld, damit du zum Beispiel genau auf die Augen scharf stellen kannst.

Der Hintergrund bildet die Bühne des Motivs. Achte darauf, dass er nicht zu wild und zu vielgestaltig ist. Viele Details im Hintergrund lenken vom Motiv ab und sind oft störend. Bei inszenierten Fotos kann man den Hintergrund aussuchen, bei spontanen und natürlichen Shootings geht das nicht.

 

IMG_3312_web

Kühe am spiegelnden Seeufer. Der Zufall spielt die Szene dem Fotografen zu, der am gegenüberliegenden Ufer daran nichts ändern kann. Der Blick führt an den Protagonisten vorbei in die Tiefe des Bildes. Die Wasserlinie halbiert das Foto.

TUR_5086_web

Man sieht dem Hund an, wie er sich im Schnee pudelwohlfühlt und das nächste Spiel erwartet. Der Hintergrund ist reizarm – das Motiv wird dadurch betont.

DSC_0156_web

Die streng zentrierte Anordnung mit den intensiv blauen Augen und die kurze Schärfenzone machen dieses Foto attraktiv. Der Kopf füllt das Bild, der Blick ist fast magisch.

Blick- und Bewegungsrichtung

Der Ausdruck der Katze oder des Hundes wird vermenschlichend wahrgenommen und fesselt die Betrachter. Mit seiner Haltung kommuniziert das Tier. Lass die Betrachter deines Fotos raten, was dadurch gerade mitgeteilt werden soll. Die Blick- oder Bewegungsrichtung von links nach rechts ist positiv, umgekehrt geht es gegen den Strich. Fotografiere Tiere jeweils von vorn und nicht von hinten.

TUR_1920_1_web

Beim Lauern und Beobachten ist der Umgebungsraum wichtig. Mit der Sepiatönung sind die allfällig störenden Farben weg, die Betrachterin kann sich ganz dem Tier zuwenden.

Beziehungen

Mehrere Tiere im Foto stellen untereinander einen sozialen Bezug her, der auch uns Betrachter mit einschließt Wir können uns in die Herde oder ins Rudel empathisch einfühlen, deshalb sind solche Tierbilder anziehend.

DSC_4936_web

Die Beziehung zwischen Mutterschaf und Lamm wird hier durch die Öffnung im Zaun inszeniert. Die «Welt» kann entdeckt werden, das Kleine hingegen scheint noch etwas müde zu sein.

Tierbabys

Fast alle Tiere, ob groß oder klein, sind als Babys niedlich. Tierkinder gehören zu den reizvollsten Motiven, die für uns Menschen unwiderstehlich sind und die zu Hinguckern werden.

DSC_4021_web

Diese kuschelige Kätzchenschar lässt niemanden kalt. Wie gerne würde man eines davon in die Arme nehmen!

Ralf Turtschi

Ralf Turtschi

Als Fachbuchautor und Publizist hat sich Ralf Turtschi einen Namen geschaffen. Er ist als Fotoreporter, Hobbyfotograf und Dozent unterwegs und gibt technische und gestalterische Tipps rund um die Fotografie weiter. Dabei haben es die Genres Natur, Landschaft, Porträt, Reisen, Makro, Architektur, Nacht besonders angetan.

Weitere Infos: www.agenturtschi.ch

Weitere Beiträge